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Honigsüßer Durchfluss

von Heinz Kirchner

 

Als er aufwachte, war das Theater leer. Nur die Notbeleuchtung brannte und das rotweiße Gestühl der fünf Parkettreihen vor ihm leuchtete matt und verschwommen. Der Vorhang war geöffnet. Auf der Bühne lag auf sechs Stühlen, die im Kreis standen, jeweils eine weiße, ausdruckslose Maske. Er konnte sich nicht mehr an das Stück erinnern, nur daran, dass alle Darsteller nackt gewesen waren. An schlackernde Geschlechtsteile und die riesigen Brüste einer Darstellerin. Schon nach einer halben Stunde war er eingeschlafen.

Er war immer noch todmüde und benommen. Sein Mund war ausgetrocknet, das Durstgefühl gewaltig. Unangenehm, aber kein Problem, dachte er. Er brauchte nur seinen Insulinpen. Sah aus wie ein ganz normaler Kugelschreiber. Eine geniale Erfindung. Er steckte in der rechten Außentasche seines Jacketts. Ein Griff, ein kurzer Druck, und schon würde es ihm wieder besser gehen. Nur war er so unendlich müde und die Versuchung die Augen zu schließen, um wieder einzudösen, war übermächtig. Hier in der dämmrigen Stille des Theaters. Links neben ihm auf dem Boden lag seine kleine Wasserflasche. Sie musste ihm vom Schoß gefallen sein, als er schlief. Er richtete sich auf und griff, was ihn ungeheuer anstrengte und der kalte Schweiß trat ihm dabei auf die Stirn, nach der Flasche. Doch so sehr er sich auch streckte, es fehlten immer noch drei bis vier Zentimeter. Er stöhnte, der Arm begann zu zittern und wurde so schwer, dass er ihn wieder herunter nehmen musste. Also aufstehen, dachte er, du musst einfach nur aufstehen, dann kannst du dir diese verdammte Flasche greifen. Ganz einfach! Er legte seine Hände um die Lehnen und drückte sich ab. Wieder kalter Schweiß. Er kam nicht hoch. Der Stuhl war zu eng. Im Schlaf war er so tief in den Klappsitz eingesunken, dass dieser ein Stück nach hinten gekippt war. Er war eingeklemmt. Jetzt erst merkte er, dass er nur noch mit den Zehenspitzen Bodenkontakt hatte, so tief war er durch die Schräglage in den Stuhl hineingerutscht.

Noch einmal versuchte er sich hochzudrücken. Es ging nicht. Natürlich, er musste an seinen Pen. Das hatte er vergessen. Aber erst etwas Ruhe, dachte er, ein bisschen Ruhe. Er rutschte wieder tief in den Stuhl zurück. Dann übermannte ihn der Schlaf.................

 

Wie's weitergeht, steht dann im Buch!



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